BERICHT ÜBER DIE VERANSTALTUNG DER FÖDERATION DER TSCHERKESSISCHEN KULTURVEREINE IN EUROPA
VOM 30.05.- 01.06.2009 IN TORFHAUS / HARZ


 

8 Tage nach der Gedenkfeier zum 21. Mai, welche die regionalen Tscherkessischen Kulturvereine in Deutschland einzeln und nicht als Gemeinschaftsveranstaltung abhielten, wurde dieses Jahr eine zweitägige, von allen gewünschte informative und gesellige Veranstaltung in der Jugendherberge Torfhaus / Harz vom Abend des 30.05. bis zum Mittag des 01.06.2009 von der Föderation der Tscherkessischen Kulturvereine in Europa veranstaltet.

 Durch die aktive Teilnahme, der von uns sehr geschätzten Gäste aus dem Kaukasus, Deutschland und der Schweiz wurde die Veranstaltung sehr bereichert. Als Gäste nahmen teil:

- Unsere, von uns allen sehr geschätzte und unermüdlich für unsere Sache sehr arrangierte Sabahat Able aus der Schweiz.
- Herr Prof. Kasbolat Dzamikhov (Vorsitzender des Internationalen Tscherkessischen Dachvereins – ITD - in Naltschik).
- Herr Anatoli Kosokov (Vorstandsmitglied des ITD, Revision ) aus Naltschik.
- Herrn Dr. Necdet Hatam (Vorstandsmitglied des ITD) aus Maikop.
- Herrn Prof. Dr. Feidi Omar Mahmud aus Erlangen (Mitorganisator des ersten tscherkessischen Ärztekongresses in Nalshik, 2008)

Der Moderator der Veranstaltung - Herr Ahmed Edis - bat die Teilnehmer, nach dem er sich vorstellte, sich für die Nationalhymne zu erheben.

 Anschließend erteilte er unserem Vorsitzenden Herrn Dr. Ehsan Saleh das Wort.


Herr Dr. Ehsan Saleh eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßungsrede. Er bedankte sich bei den zahlreichen Teilnehmer, insbesondere bei den Gästen aus dem Kaukasus, die die Strapazen der Reise auf sich genommen haben und den Organisatoren Herr Sinan Danis und Herr Tankut Ander für ihre große Mühe. Herr Dr. Saleh bedankte sich bei Herrn A. Kosokov, der von der ersten Stunde unermüdlich sehr aktiv dabei ist und ging auf die Entwicklung der Föderation und ihre aktive Rolle beim ITD und auf die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit mit der Urheimat ein. Er bat die
Anwesenden um eine Schweigeminute für die Opfer des grausamen Krieges. Anschließenden
wünschte er der Veranstaltung viel Erfolg.

 Dem anschließenden gemeinsamen Abendessen folgte ein langer sehr informativer Vortrag von Herrn Prof. Dzamikhov über die Geschichte der Tscherkessen und ihrer geographische Heimat vom 3.Jahrtausend vor Christi (Maikop- Kultur).

Insbesondere ging er darauf ein, wie unser Volk mit den ständigen Angriffen verschiedener Eroberer umgegangen ist und versucht hat seine Heimat und seine Freiheit zu verteidigen. Bis hin zum „Blutigen Krieg“ im 18.und 19. JH. gegen das zaristische Russland und seiner Folgen für unser Volk. Er ging auch darauf ein, wie wir heute mit diesem Schicksal umgehen sollten. Er vertrat die Ansicht, dass nur durch eine objektive Aufarbeitung der Geschichte die Fehler der Vergangenheit vermieden werden, um die Zukunft unseres Volkes gemeinsam zu gestalten.

Im Anschluß hielt Herr Prof. Feidi Omar Mahmud ein Bildervortrag über den 1. internationalen Ärzte-Kongress, an dem viele tscherkessische Ärzte aus der Diaspora teilnahmen. Der Kongress kam durch die Initiative des Vorsitzenden der FTKV, Herrn Dr. Saleh, zustande und fand in Naltschik, im Okt. 2008 statt.

 Der Rest des Abends wurde mit Gesprächen und Tänzen abklingen lassen.

 Herr A. Kosokov, der seit Beginn des ITD sehr aktiv dabei ist, hielt am nächsten Tag den ersten Vortrag über den ITD und seine Geschichte.

Er berichtete darüber wie wichtig seine Gründung zur Koordination der Aktivitäten der einzelnen Dachverbände in der Diaspora mit der Urheimat ist. So sprach er u.A. darüber, dass die erste Gründungsversammlung in Holland von der FTKV einberufen wurde, und über die aktive Rolle der FTKV zur seiner Entstehung. Ferner berichtete er über Ziele, der ITD und seine bisherigen Aktivitäten, und dass aus allen Ländern in der Diaspora nur ein Dachverband als Mitglied zugelassen sei, der die Tscherkessen in Europa vertritt. Es konnten leider nicht alle angepeilten Ziele erreicht werden. Das läge aber an den Bedingungen, die von einem Verein nicht beeinflußbar sind, und dass der ITD nur so gut sein kann, wie es ihm die finanzielle und politische Bedingungen erlauben. 

Er bedankte sich beim Vorstand für die Einladung und sprach eine Einladung für die bevorstehende
Hauptversammlung in Maikop im August dieses Jahres aus.

Herr Omar-Farouk Tamzok trug den Inhalt eines vor Kurzem in Russland erschienen Zeitungsartikels vor. Dieser Artikel, von dem russischen Historiker Herrn Dr. Jakob Gordin geschrieben, setzte sich selbstkritisch mit der russischen Eroberungs- und Kolonialpolitik im Kaukasus, insbesondere gegenüber den Tscherkessen, auseinander. Der Artikel wurde im Dezember 2007 in der Zeitschrift „Iswesda“ (Stern) mit der Überschrift „Ein Blutiger Krieg“ in St. Petersburg veröffentlicht. Die neuen Erkenntnisse veranlassten Herrn Hafeze Muhamed, den Chefredakteur der Zeitung „Adyge Psalche“ (Naltschik), den Artikel in Adygheisch am 03.07.2008 zu veröffentlichen. Herr Tamzok übersetzte diesen Artikel ins Deutsche.

Frau Suriet Hatkho, ehemalige Mitarbeiterin des Museums in Maikop, hielt im Anschluß einen Vortrag über alte Sitten und Gebräuche seit dem Altertum (Maikop-Kultur, 3tes Jahrtausend vor Christus) und insbesondere des 18./19.JH.- wie unsere Vorfahren sich kleideten- Häuser bauten Tiere , vor allem Pferde züchteten - wie und wovon sie lebten.

 Eine ausgedehnte Mittagspause bis zum Abendessen, konnte je nach Interesse frei gestaltet werden. Wie Gespräche, sportliche Betätigung sowie den Genuß einer sehr interessanten Vorführung von Herrn Dr. Baterai Özbek aus historischen Büchern gesammelte Bilder, bis hin zu ausgiebigen Folklore Tänze.

Herr Bilal Edis stellte den von unseren Jugendlichen gegründeten „Circassian Network“ vor.

 Herr Dr. Necdet Hatam Meshfessy aus Maikop hielt einen Vortrag über die tscherkessische Sprache, wie wir sie bewahren können und die Problematik unserer Assimilation begegnen können.

 Auf die Notwendigkeit einer einheitlichen und erleichterten Schreibschrift hat er hingewiesen und, dass dies von allen Seiten erkannt und daran gearbeitet wird. Wenn wir auch unsere Existenz als Volk bewahren wollen, eine intensivere Rückwanderung unumgänglich ist. Zur Untermauerungdieser Gedanken trug er ein Gedicht „ Ruf der Mutter“ das sehr bewegende Emotionen weckte, vor. Mit der Nutzung der modernen Technik, wie z.B. den Empfang des Fernsehsenders „Nart“ beim Arab-Sat, der mit sprachlich wichtigen Informationen versorgt wird, können wir unserem Ziel näher kommen

Vor dem Übergang zur musikalischen Darbietungen ergriff Herr Dr. E. Saleh das Schlusswort. Er bedankte sich bei allen Teilnehmern für die sehr gut gelungene Veranstaltung, insbesondere, dass das sprachliche Problem durch die direkte Übersetzung ins Deutsche oder ins Adygeische, ausgeschlossen werden konnte. Das Ziel, die Teilnehmer so gut wie möglich und objektiv über unsere Geschichte, Sprache und Kultur zu informieren wäre gelungen, wie es auch der positiven Resonanz der Teilnehmer zu entnehmen ist. Auch das Ziel der Gäste aus dem Kaukasus - die Jugendlichen objektiv über unsere Geschichte zu informieren ist gelungen. Eine professionellere Wiederholung haben wir uns vorgenommen. Möge es uns gelingen. Bedankte sich wiederholt bei den Jugendlichen für ihren Einsatz zum Gelingen der Veranstaltung.

Zu allerletzt kam die lang ersehnte Gesanggruppe „Gughe“ (Hoffnung)

 Die Gruppe bestand aus : 

Aykut Djanchat als Leiter und seinen Töchtern Adyif und Janet sowie seine Nichte Sigah, begleitet von Murat Psiblen mit seinem Akkordeon und einem kleinen Jungen . Auch Faruk Psiblen kam dazu mit zwei Lieder. Während Aykut und Faruk uns als Solisten in Stimmung brachten, haben uns die drei jungen Mädchen, mit klassischen Liedern, die professionell, mal im Chor und mal als Solisten und Aykut zwischendurch mit seinen witzigen Kommentaren faszinierten.
In dieser kurzen Zeit aus Jugendlichen, die nicht mal die tscherkessische Sprache beherrschen, so eine Gruppe zu dieser Qualifikation zu bringen, ist nur mit sehr talentierten und fleißiger Arbeit zu erreichen. Unsere herzliche Gratulation gilt unserem Aykut und seiner kleinen Familie und der Gruppe insgesamt. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir sie unter uns haben. Dass wir sie auch fördern müssen, ist eine Selbstverständlichkeit.

Föderation der Tscherkessischen Kulturvereine in Europa

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