Tscherkessische Kulturtage 2014 in Berlin - „6. Ostertreffen“

- Versuch eines Berichts. Worte können das Erlebte schwer wiedergeben -

 

Zum 6. mal nun feierten wir die Tscherkessischen Kulturtage unter der Schirmherrschaft der Föderation der Tscherkessischen Kulturvereine in Europa und verwöhnten uns selbst mit Kunst und Kultur, Wissen und Information, Rationalem und Emotionalem, Austausch und Gemeinschaft, Spiel und Spaß. Diesmal war der Tscherkessische Kulturverein Berlin der Gastgeber. Während der Anmeldeprozedur wurde ziemlich früh das sehr hohe Interesse deutlich, sodass wir relativ schnell voll ausgebucht waren.

Unsere etwa 250 Gäste – vom Baby bis zum Thamade – reisten extra für diese Veranstaltung nicht nur aus allen Ecken Deutschlands an, sondern auch aus Holland, der Schweiz, Italien, Republik Kabardino-Balkarien, Republik Adygeja, der Türkei, Israel, Kanada, u.a.. Das „Ostertreffen“ scheint auch außerhalb Europas Anklang zu finden. Auffällig war zudem, dass unter den Teilnehmern die Zahl der in Deutschland lebenden Tscherkessen aus Syrien und dem Kaukasus höher war als bislang. Somit spricht das „Ostertreffen“ immer mehr auch Tscherkessen, die keinen Türkei-Backround haben, an. 

Unsere Gäste wurden am 19.04.14 um 17 Uhr mit einer Rede des Vereinsvorsitzenden Kumuk Vehbi und des Vorstandsvorsitzenden der Föderation der Tscherkessischen Kulturvereine in Europa Omar Faruk Tamzok begrüßt. Kumuk Vehbi betonte, dass unser Blick stets Richtung Kaukasus gerichtet sein sollte und äußerte: „Die Diaspora und die Heimat müssen unter gegenseitigem Vertrauen und gegenseitigem Einverständnis eine Einheit bilden, um für die Existenz unseres Volkes Wege und Möglichkeiten gemeinsam rationell auszuwerten und zusammenzuarbeiten.”

Nach dem Abendessen fand das Konzert der Gruppe JIU aus Maikop statt - vertreten durch Zaur Nagoy, Kazbek Nagarokov, Turkav Erhan, Tsey Alican. Diese Musiker haben sich unter der Leitung von Gutsch'he Zamudin als Ziel gesetzt alte tscherkessische Musik und Lieder in ihrer Urform lebendig zu halten. Dazu nutzen sie neben ihren kräftigen Stimmen als Hauptinstrument das Streichinstrument Shikepshine ( Saiten aus Pferdeschwanzhaar ) und das Blasinstrument Kamil. Im zweiten Teil ihres Konzerts wurden sie vom Akkordeonspieler Psiblen Murat, der in Köln geboren wurde und aktuell beim Enseble Nalmes in Adygeja tanzt, begleitet. JIU hat eine musikalische Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen und uns in ihren Bann gezogen.

Zudem beglückten uns drei unserer Gäste spontan mit ihrer musikalischen Performance: Sedat Sezan aus der Türkei und Psiblen Faruk aus Köln sorgten für viel Power und spontane Tanzeinlagen der Zuhörer. Fethi Recep aus Holland hingegen bot uns auf seiner Harmonika ein Angebot aus sehr alter Musik, die er von seinem Vater und Großvater „vererbt“ bekommen hat.

Nach dem Frühstück am 20.04.14 informierte uns Orfan Shouakar-Stash aus Kanada mit einer Powerpoint-Präsentation über Tscherkessen in Kanada und den neugegeründeten Verein zur Unterstützung tscherkessischer Rückkehrer.  Aus zeitlichen Gründen konnte leider im Anschluss die geplante interaktive Diskussionsrunde zum Thema „Tscherkessen in der Diaspora –  Verantwortung Einzelner, der Familien und Institutionen“ nicht mehr stattfinden. Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben. Somit hoffen wir, diese Thematik bei einer anderen Gelegenheit anzugehen.

 

Am Nachmittag saßen nun junge Männer und Frauen Anfang/Mitte 20, die in Deutschland geboren wurden und nach wie vor hier leben, in der Interviewrunde „Meine Reise in den Kaukasus“ auf der Bühne. Shogen Adem, Hağağudj Nart, Tcha'ushe Kübra, Kumuk Janey und Djanchat Adiyef beeindruckten uns mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen in Adygeja und Kabardino-Balkarien und ihren Zukunftsplänen. Ihre an die Leinwand projizierten Fotos unterstrichen nochmal das Gesagte. Sie inspirierten unsere Zuhörer und rührten mehrere sogar zu Tränen. Das Publikum war mit großem Interesse dabei und stellte interessante Fragen, die unsere Interviewpartner mit Bravour beantworteten. Im Anschluss bekamen wir durchgehend positiven Feedback und möchten an dieser Stelle unseren Respekt diesen jungen Menschen gegenüber erneut äußern.

 

In der zweiten Hälfte des Nachmittagsprogramms nahm sich Dr. Ehsan Saleh unterstützt durch O.F. Tamzok dem Thema „Aktuelle Situation der Tscherkessen in Syrien“ an. Die Wichtigkeit des Themas wurde erneut deutlich. Zudem informierte uns Dr. Ehsan Saleh detailliert mit mitgebrachten Materialien über die immense Arbeit, die der Adyghe Fonds / Adyghe Pchuante bislang geleistet hat. Unter dem u.g. Link findet ihr einige kurze Infos und ganz unten auch eine Einzugsermächtigung. Wir rufen alle auf, diesen Fond zu unterstützen, da nur durch ein finanzielles Polster in der Not geholfen werden kann.

http://www.fdtkv.de/index.php/adyghe-fond 

Das Abendprogramm am Sonntag füllten zwei (Tanz-)Musikgruppen. Die 14 Mitglieder des Ensembles AMIKS von der Universität Naltschik faszinierten uns mit ihrer Professionalität. Sie boten uns unter der beeindruckenden Leitung ihres Lehrers Khul Amir diverse Tanz- und Musikstücke und leiteten uns zum Mitsingen an. Mit dem Reichen von adygeischem Käse und einiger Süßspeisen an die Zuschauer brachten sie uns auch einen kulinarischen Gruß aus Kabardino-Balkarien mit. Die Realisierung der Teilnahme dieser Gruppe an den diesjährigen Kulturtagen verdanken wir dem unermüdlichen Einsatz von Herrn Karamirze Barisbi, dem Rektor der Universität in Nalchik und Herrn Kodzoko Anatoli, dem Leiter des Auswärtigen Amtes der Universität, der uns auch einen kurzen Überblick über die Universität lieferte.

Homepage von AMIKS: http://amiks-kbsu.ru/ 

Die zweite Gruppe war die den meisten bekannte Musikgruppe Gughe. Diese hatte sich 2008 in Köln gegründet und damals auch direkt am Musikfestival in Maikop teilgenommen. Djanchat Aykut, Djanchat Adiyef, Djanchat Janet, Djanchat Zanchat und Blan Jalouqa überraschten uns auch diesmal mit neuen Liedern. Mit den ruhigen Liedern entspannten wir uns, mit den schnelleren füllten wir uns mit Energie. Gughe schafft es jedes Jahr zu den „Ostertreffen“, uns ein abwechslungsreiches Programm zu bieten und uns mit adygeischer Musik zu erfreuen. 

Zum Abschluss wurden alle Musikgruppen zum gemeinsamen Singen auf die Bühne gebeten. Das ganze wurde abgerundet mit dem Wuigtanz im gesamten Saal. 

Unerwähnt lassen wollen wir aber auch nicht einen wichtigen Bestandteil des alljährlichen  „Ostertreffens“, nämlich das Kinderprogramm. Parallel zum thematischen Inhalt lief wie gehabt auch ein Angebot für Kinder, bestehend aus spielen, malen, basteln. Hier wurde der Verein super unterstützt durch zwei Studentinnen aus Jordanien und Syrien, Merna Khwaj und May Jamal Agha. Die kleinen Stammgäste des „Ostertreffens“ freuen sich jedes Jahr darauf und umso wichtiger ist es die Jüngsten in unserer Runde nicht zu vergessen.

 Aufgrund der bezaubernden Natur, die uns die Location anbot, nutzten viele Gäste auch die Möglichkeit am See zu entspannen oder im Wald einen Spaziergang zu unternehmen. Die Terrasse war ein sehr beliebter Ort für Gespräche und den Djegu. Die jüngeren Gäste verbrachten beide Nächte gemeinsam bis zum frühen Morgen mit viel Musik (v.a. Dank JIU ) und der Möglichkeit sich kennen zu lernen. Aufgrund der externen Unterkunft von AMIKS bedauern wir sehr, dass diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen leider diese Gelegenheit nicht nutzen konnten, da sie rechtzeitig zu ihrer Unterkunft aufbrechen mussten.

 In der freien Zeit konnten sich unsere Gäste durch Infowände über Naltschik, über den 21. Mai 1864, über Tscherkessen in Jordanien und über den Karneval der Kulturen in Berlin informieren. Auch ein Video mit Aufnahmen und Fotos von allen bislang stattgefundenen „Ostertreffen“ konnte geschaut werden. 

Am 21.04.14 war nach dem Frühstück schließlich die Zeit zum Abschiednehmen gekommen. Natürlich schlossen wir das schöne Wochenende mit einem Djegu, einem Gruppenfoto und der Abschiedsrede von Kumuk Vehbi ab. 

Neben all der Musik, dem Tanz, den Diskussionsrunden u.ä. erachten wir einen Punkt an dem nun zur Tradition gewordenen „Ostertreffen“ als besonders wesentlich an: der zwischenmenschliche Kontakt, der Austausch, das Kennenlernen, das Wiedersehen, das Gemeinschaftsgefühl, die Brücke zu unserer Urheimat, dem Kaukasus. Durch Gespräche nach diesen Tagen und durch Beobachtungen in sozialen Netzwerken erkennen wir, dass es kein Kennenlernen nur für den Moment ist, sondern Kontakte über diese Tage hinaus gehalten werden. Wir sehen, dass – egal in welchem Land wir leben – wir näher rücken.

 In diesem Sinne freuen wir uns schon auf unsere neuen und alten Freunde bei den nächsten tscherkesischen Kulturtagen in Hamburg und bedanken uns sowohl bei allen mitwirkenden Gruppen, Personen, Unterstützern wie auch bei all unseren Gästen, die mit ihrer Anwesenheit das Treffen bereichert haben.

 

Ф1эхъусыу щы1эм я нэхъ лъап1эр фыдохыж, фи махуэр ф1ыуэ.

 

Tscherkessischer Kulturverein Berlin e.V.

 

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